März 2026 – der deutsche Solarmarkt durchläuft einen tiefgreifenden Wandel. Nach den Rekordjahren 2022 bis 2024 hat sich das Wachstum spürbar verlangsamt. Doch wer jetzt von einer Krise spricht, verkennt die strukturelle Transformation: Der Markt wird erwachsen, Batteriespeicher werden zum unverzichtbaren Standard, und ab Juni dürfen Nachbarn erstmals legal Solarstrom miteinander teilen. Gleichzeitig zeichnet sich eine historische Preiswende ab.
1. Marktnormalisierung auf hohem Niveau
„Ich gehe von einem normalen Jahr 2026 aus“, sagt Peter Knuth, Vorsitzender des Bundesverbandes des Solarhandwerks . Die aktuellen Zahlen des Marktstammdatenregisters bestätigen dies: Im Januar 2026 wurden knapp 26.000 PV-Anlagen im Residential-Segment (5–25 kWp) installiert – für einen ungewöhnlich kalten und schneereichen Wintermonat ein stabiles Ergebnis . Die insgesamt installierte PV-Leistung in Deutschland erreichte Ende 2025 rund 117 Gigawatt, der Solaranteil am Strommix lag bei soliden 16,8 Prozent .
2. Batteriespeicher werden zum Standard
95 Prozent aller Neuanlagen werden inzwischen mit Stromspeicher installiert . Die Preise für Speicherkapazitäten sind in den letzten 15 Jahren dramatisch gefallen: von über 2.500 Euro pro kWh im Jahr 2010 auf heute durchschnittlich 440 Euro pro kWh . Ein Residential-Speicher mit 10 kWh Kapazität ist bereits für etwa 3.300 bis 4.290 Euro erhältlich .
Noch dynamischer entwickelt sich das Segment der gewerblichen Stromspeicher. Im Januar 2026 wurden rund 1.248 gewerbliche Speicher über 25 kWh installiert – etwa 34 Prozent mehr als im Januar 2025 .
3. Preiswende bei Solarmodulen ab April 2026
Die vielleicht wichtigste Entwicklung steht unmittelbar bevor: Ab dem 1. April 2026 streicht China die Mehrwertsteuer-Exportvergünstigungen für Solarmodule, Zellen und Wafer vollständig . Bislang konnten chinesische Hersteller bei Exporten einen Vorsteuerabzug von 9 bis 13 Prozent geltend machen. Erste Preissteigerungen sind bereits spürbar: Effiziente Module werden aktuell für durchschnittlich 11,5 Cent pro Watt gehandelt – 4,5 Prozent mehr als im Vormonat . Marktanalysten gehen von weiteren Preissteigerungen von 15 bis 20 Prozent aus .
4. Energy Sharing: Solarstrom für die Nachbarschaft ab Juni 2026
Ab 1. Juni 2026 erlaubt der neue Paragraf 42c des Energiewirtschaftsgesetzes, überschüssigen Solarstrom direkt an Nachbarn zu verkaufen . Bislang mussten Betreiber ihren Strom zu knapp acht Cent pro Kilowattstunde einspeisen, während Nachbarn im Schnitt 35 Cent zahlten . Mit Energy Sharing können beide Seiten profitieren. Voraussetzung sind intelligente Messsysteme (Smart Meter) und zwei Verträge zwischen den Beteiligten .
5. Wirtschaftlichkeit neu gedacht
Eine PV-Anlage mit Stromspeicher amortisiert sich bei normalem Haushaltsverbrauch in etwa 13,3 Jahren, während eine Anlage ohne Speicher fast 17 Jahre benötigt . Mit zusätzlicher Wärmepumpe oder Elektroauto verkürzt sich die Amortisationszeit auf nur 6,7 Jahre .
Fazit für Verbraucher: Wer mit dem Gedanken spielt, eine Photovoltaikanlage anzuschaffen, sollte 2026 nicht zu lange zögern. Die Preise für Speicher sind historisch günstig, bei Modulen zeichnet sich eine klare Trendwende ab. Gleichzeitig eröffnet Energy Sharing neue Vermarktungsmöglichkeiten für überschüssigen Solarstrom.